Das SoundDNA-Forschungsprogramm
Eine offene Studie zur Vielfalt der Hörwahrnehmung — mit einer Methodik, die vom ersten Tag an öffentlich ist.
SEKTION 1 — DIE LÜCKE, DIE WIR FÜLLEN
Wir wissen, wie Menschen hören. Wir wissen nicht, wie sie zuhören.
Die Psychoakustik hat die Mechanik des Hörens präzise beschrieben. Weit weniger ist über die Vielfalt der Wahrnehmungspräferenzen: warum dasselbe Signal die einen mit Struktur begeistert, andere mit Raum, Energie oder Emotion. Die Forschung in diesem Bereich läuft auf kleinen Laborstichproben; es existiert kein großer, offener, mehrsprachiger Datensatz darüber, wie Menschen außerhalb des Labors zuhören — und kein validiertes, öffentlich zugängliches Selbstberichtsinstrument, um ihn zu erheben.
SoundDNA baut beides: das Instrument und den Datensatz — als Non-Profit.
SEKTION 2 — DAS INSTRUMENT
Ein Fragebogen mit Sicherungen, kein Quiz
Kern der Studie ist ein Selbstberichtsfragebogen, der vier Dimensionen der Hörwahrnehmung misst (in der Hörer-Kommunikation: die Elemente — Struktur, Raum, Energie, Emotion). Das Design umfasst Sicherungen, die in Online-Tests selten sind:
Die Sprache von Erfahrung und Verhalten statt Fachjargon — die Items sind für Einsteiger und Experten gleichermaßen zugänglich, was die Anfälligkeit für imagegeleitetes Antworten senkt.
Umgekehrt gepolte Items und Konsistenzpaare in jeder Skala — Kontrolle von Zustimmungstendenz und Aufmerksamkeit.
Kontrollitems und Antwortzeitmessung— Erkennung unaufmerksamen Antwortens; Ergebnisse unterhalb der Zuverlässigkeitsschwellen werden aus der Forschungsbasis ausgeschlossen (die teilnehmende Person erhält ihr Profil immer — wir filtern Daten, nicht Menschen).
Ein Kontextanker — geantwortet wird aus einem offengelegten, erfassten Hörkontext; der Kontext wird zur analytischen Variable statt zu unsichtbarem Rauschen.
Eine Selbstwahrnehmungsmessung nach dem Test, vor der Ergebnisanzeige — die Übereinstimmung von Intuition und Messung bildet einen Index der Hör-Selbsteinsicht und ein unabhängiges Validitätssignal.
Vollständige Versionierung — jede Antwort wird roh gespeichert, mit der Version des Instruments und der Algorithmusparameter; jedes historische Ergebnis lässt sich reproduzieren und neu berechnen.
SEKTION 3 — DER VALIDIERUNGSPLAN (vier Phasen)
Im Voraus deklariert. Veröffentlicht unabhängig vom Ausgang.
Phase I — Kalibrierung
Eine Beta auf der vollen Itembank (Ziel: 500–1500 Datensätze, eine Community-Stichprobe, explizit als Kohorte gekennzeichnet): Itemanalyse, Skalenreliabilität, exploratorische Faktorenanalyse.
Phase II — Struktur und Stabilität
Konfirmatorische Faktorenanalyse an einer unabhängigen Stichprobe; Test–Retest (Teilstichprobe, 2–4 Wochen); konvergente Validität gegenüber etablierten Skalen (Auswahl in Abstimmung mit akademischen Partnern); Kriteriumsvalidität (bevorzugter Kontext, Selbstwahrnehmung, deklarierte Präferenzen).
Phase III — Normen und Sprachen
Normierung; EN/DE-Adaptionen mit Rückübersetzung und Prüfung der Messinvarianz VOR jeglichen Gruppenvergleichen.
Phase IV — Verhalten
Ein Verhaltensmodul (Wahlen zwischen Klangbeispielen): die Konfrontation der Selbstberichtsebene mit realen Hörentscheidungen.
Unsere Verpflichtung: das vierdimensionale Modell ist eine Hypothese unter bewusster Prüfung. Die Validierungsergebnisse — ob sie das Modell bestätigen oder korrigieren — veröffentlichen wir unabhängig vom Ausgang. Ein Quiz kann sich nicht irren, weil es nichts behauptet. Wir behaupten etwas — und deshalb können wir Wissenschaft sein.
SEKTION 4 — OFFENE FORSCHUNGSFRAGEN
Sechs Fragen, auf die wir Antworten suchen (und Ko-Autoren)
1. Dimensionale Struktur — ordnen sich Hörpräferenzen in vier Dimensionen? In wie viele wirklich?
2. Eigenschaft oder Zustand — wie stark hängt das Profil vom Hörkontext ab (Zuhause, unterwegs, Konzert), auch bei In-situ-Messung auf Mobilgeräten?
3. Hör-Selbsteinsicht — wie treffend sagen Menschen ihr eigenes Profil voraus? Erhöht Audioerfahrung die Treffsicherheit?
4. Deklaration vs. Verhalten — wie weit deckt sich der Selbstbericht mit Wahlen zwischen realen Klangbeispielen?
5. Sprach- und Kulturunterschiede — nach Feststellung der Messinvarianz.
6. Korrelate — Demografie, Erfahrung, Geräte, Kontexte: Was tritt gemeinsam mit Wahrnehmungskarten auf?
SEKTION 5 — DATEN UND ETHIK
Architektur, keine Erklärungen
Trennung von Kontakt- und Forschungsdaten auf Datenbankebene · zwei getrennte Einwilligungen (Forschung und Kontakt), versioniert · nicht erratbare öffentliche Identifikatoren · Forschungsexporte ausschließlich pseudonymisiert · aggregierte, anonymisierte Daten werden offen bereitgestellt; Zugang zu pseudonymisierten Einzeldaten — auf Grundlage von Forschungskooperationsvereinbarungen · Datenresidenz in der EU.
SEKTION 6 — AKADEMISCHE ZUSAMMENARBEIT
Eine Einladung an Institutionen und Forschende
Vorgeschlagene Formen: psychometrische Konsultation des Analyseplans · Ko-Autorenschaft bei Publikationen aus den Validierungsphasen · Datenzugang für Forschungsteams und Abschlussarbeiten · Aufnahme kurzer Module externer Skalen in die Beta (konvergente Validität) · Mitgestaltung des Verhaltensmoduls der Phase IV.
Die vollständige Spezifikation des Instruments und der Datenarchitektur ist auf Anfrage nach Kontaktaufnahme einsehbar (wir veröffentlichen keine Iteminhalte vor Abschluss der Kalibrierung: Die Offenlegung des Instruments während der Datenerhebung würde die Messung entwerten — Offenheit hat ihre Reihenfolge).
Was dieses Projekt nicht ist: ein kommerzielles Vorhaben mit Forschungsfassade. Die Forschungsschicht ist satzungsgemäß offen und kostenlos; finanziert wird sie von einer getrennten Dienstleistungsschicht unter einer Richtlinie zu Interessenkonflikten. Die Details der Struktur teilen wir mit jeder interessierten Institution.